DAEDALOS Nr. 7 34

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Leserbriefe

Ausgewählte Story

Rezensionen

Kleines Juwel der Phantastik

Ich muß sagen, daß Carsten Schmitt mich nicht schlecht beraten hat, denn DAEDALOS ist wirklich ein kleines Juwel der Phantastik. Schon die Aufmachung ist geschmackvoll und ästhetisch - weniger ist eben doch mehr. DAEDALOS ist sauber gedruckt, sehr gut lesbar und - geschmackvoll eben.
Die wenigen Illustrationen sind eine Augenweide und jeweils passend zum literarischen Beitrag ausgewählt. Die Geschichten selbst sind alle gut bis ausgezeichnet, wobei die Höhepunkte von Nr. 6 für mich die Werke von Sembten und Angerhuber sind - gerade letzteres war keine große Überraschung für mich, haben mich doch schon vor allem die asiatischen Märchen in ihrem Buch »Die Verborgene Kammer« begeistert. Die Idee mit den vergessenen Klassikern ist äußerst charmant und sollte auch weiterhin mit Anmerkungen zu Werk und Autor erscheinen, auch wenn dieser zu den bekannten Größen zählt.

Andreas Diesel, Neunkirchen

Immer noch überdurchschnittlich

Alles in allem hat die Nummer 6 gegenüber der Nummer 5 ein wenig nachgelassen, ist aber immer noch überdurchschnittlich.
»Die Hand der Jezerte« hatte ich zuvor nicht gekannt, aber Ihr Erstaunen, Mörike als »Phantasten« entdeckt zu haben, teile ich nicht, denn er war mir als ein solcher längst bekannt. Sein schon zu seiner Zeit, aber besonders heute manieristisch anmutender Stil läßt jedoch nur bei speziell interessierten Lesern rechte Freude aufkommen.
Ganz anders dagegen Malte S. Sembtens »Kirchenstumpf von Udenhausen«. In zwar eher herkömmlicher, aber dafür auch bewährter Art erzählt er uns eine wirklich originelle Gespenstergeschichte. Zweifelsohne der Höhepunkt des Heftes.
Marcel Feige vertraut ebenfalls dem Altbewährten, sowohl in Stil als auch Inhalt. Doch gelingt es ihm, eine so dichte Atmosphäre zu schaffen, daß man als Leser für die vorhersehbare Auflösung mehr als entschädigt wird. Mit Marcel Feige haben Sie mal wieder einen sehr vielversprechenden jungen Autoren vorgestellt.
Da Sci-fi nicht mein Fall ist, möchte ich von einer Stellungnahme zu Monika Niehaus-Osterlohs Geschichte absehen.
Eddie Angerhubers »Die Drachentochter« hat mir ebenfalls gut gefallen, auch wenn Sie mit der Abbildung ein wenig danebengehauen haben. Anders als in Angerhubers Geschichte, die in China spielt, handelt es sich bei der Abbildung offensichtlich um ein japanisches Motiv. Hier würde ich mir mehr Sorgfalt der Redaktion wünschen.

Heiner Schütte, Twistringen

Unpassende Illustration

Die einzige wirkliche Enttäuschung ist die unpassende Illustration zu Eddies feinem chinesischen Märchen »Die Drachentochter«, das ihr mit einer japanischen Abbildung konterkariert. Schade.

Reinhold Wicharz, Erfurt

Reichtum origineller Einfälle

Monika Niehaus-Osterloh hatte sich mir bereits durch ihre außergewöhnliche Geschichte »Ein einziger Fehler in vierhundert Millionen Jahren« (DAEDALOS # 2) eingeprägt. Die SF-Humoreske »Mit dem Siegel des Großen Jura Computers« aus der Nummer 6 beweist erneut den Reichtum origineller Einfälle und die sprachliche Phantasie der Autorin, die sich überdies in fast allen ihren Erzählungen wie auch in ihrem ausgezeichneten Roman »Spiel des Affen« eindrucksvoll ihrer wissenschaftliche Ausbildung als Biologin zunutze macht.

Malte Schulz-Sembten, Homberg

Übliche Einwürfe

»Jezerte« gleich zu Anfang fand ich sehr schön. - Die »Prinzessin« von Marcel Feige offenbart seine große Affinität zum phantastischen Genre und erinnert mich an jene böse Zuggeschichte von Stefan Grabinski, ist mir sprachlich allerdings an manchen Stellen etwas zu dick aufgetragen. Das ist jedoch nichts, das sich nicht noch üben ließe, wenn er es ernsthaft drauf anlegt. - Malte Sembtens »Kirchenstumpf« kommt für meinen Geschmack schwächer daher als anderes, was ich von ihm kenne. Vielleicht ist er bei dieser Story etwas zu zaghaft ans Thema herangegangen. Der Geschichte mangelt es an seiner sonstigen Entschlossenheit, die beispielsweise »Second Hand Nightmares« auszeichnet. - »Große Jura Computer« bietet mir nichts Neues; ähnliche Plots habe ich von Sheckley und Konsorten bereits zur genüge gelesen. Schade eigentlich, da die Autorin über ein sicheres Sprachgefühl und eine stilistische Ausgewogenheit verfügt, die sich angenehm von allzu blumigen Stilübungen abhebt.
Bei den Leserbriefen ärgerten mich die üblichen Einwürfe, wie man sie in Leserbriefen immer so liest: zum Beispiel, der Preis sei »happig«. Ich weiß ganz gut, wie teuer solche Druckprodukte sind. Nur große Verlage können mit ihren Riesenauflagen niedrige Buchpreise erzielen. Das sollte doch jedem von uns klar sein. Das Heft ist sein Geld wert.

Eddie M. Angerhuber, Berlin