DAEDALOS Nr. 6 34

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Leserbriefe

Ausgewählte Story

Rezensionen

Guter Neustart

Mit großer Befriedigung durfte ich nach der Übersendung Eures Päckchens registrieren, daß es DAEDALOS wieder gibt, handelte es sich dabei doch um etwas Einmaliges im deutschen Blätterwald. Ich möchte Euch jedenfalls meinen aufrichtigen Dank aussprechen, daß Ihr trotz großer Probleme weitermacht und gleich einen so guten Neustart erwischt.
Das neue Outfit gefällt mir ganz gut, wenngleich die eher grafische Gestaltung der alten Hefte auch nicht schlecht war und die Zeitschrift dadurch stärker nach Zeitschrift aussehen ließ. Aber leichter lesbar ist die größere und weniger »gequetschte« Schrift tatsächlich.
Am wichtigsten jedoch ist der Inhalt, und da habt Ihr Euch vor allem mit den Geschichten von Siefener und Angerhuber zu nie erwarteten Höhen aufgeschwungen. Auch die alte Geschichte von LeFanu kommt hier nicht nur dem historischen Sammlerinteresse entgegen, sondern auch dem literarischen eines bloßen Lesers.
Macht bitte weiter so! Den happigen Preis hat man dann schnell vergessen.

Johan Reinert, Köln

Breitgestreute Geschichtenauswahl

Ich bedanke mich herzlich für (...) DAEDALOS, das mir gut gefallen hat. Ihre breitgestreute Geschichtenauswahl, alt und neu, wird durch die Illustrationen sehr schön untermalt - mit Beardsley, Kubin und Doré (...) kann man selten falsch liegen.

Alexander Röder, Marburg

Ein Manko

Das Heft ist optisch gut gelungen, obwohl mir die großzügigere Innengestaltung er »alten« Hefte besser gefiel. Ein Manko ist nach wie vor, daß keine Urheber- und Quellenangaben zu den Illustrationen zu finden sind. Die »unbekannten« Altmeister-Geschichten waren nie die Highlights im DAEDALOS, sondern eher Kuriosa für Liebhaber, aber das vorliegende Stück ist unterhaltsam und zählt zu den besseren (...). Abgesehen von der Story »Die Straße ins Nichts«, die zwar profimäßig geschrieben, aber inhaltlich banal und aufdringlich moralisierend ist, sind sämtliche Beiträge überdurchschnittlich, vor allem »Die Enthüllungen des Raupenwolfs« und - als Highlight - »Vallis illa« von Michael Siefener, eine der besten Stories, die ich von ihm kenne.

Malte Schulz-Sembten, Homberg

Originaltitel nicht angegeben

Haben Sie herzlichen Dank für die rasche Übersendung von DAEDALOS 5, das ich sogleich gelesen habe und das mir einige angenehme Stunden bereitet hat. Mir gefallen am meisten die längeren, etwa 30-50 Seiten umfassenden unheimlich-romantisch-phantastischen Erzählungen, die auch Stimmungen beschreiben und hervorrufen, und mir hat die Erzählung von Siefener am besten gefallen. Sie haben von LeFanu »Der Dorftyrann« übersetzt, sogar angegeben, aus welchem Band die Erzählung entnommen wurde, den Originaltitel geben Sie leider nicht an.

Wolfgang Thadewald, Langenhagen

Anmerkung der Redaktion:
In der Tat ein bedauerlicher Fehler, für den wir nur um Verständnis und Vergebung bitten können. Hier die unter den Tisch gefallenen Angaben. Originaltitel: »The Village Bully«.

Sicht des Phantastischen

Auch diesesmal ist es wieder interessant zu betrachten, wie die verschiedenen Autoren ihre Sicht des Phantastischen in Erzählungen umsetzen - seien es die sprachlich originell geschilderten ENTHÜLLUNGEN DES RAUPENWOLFES oder die viele Fragen offen lassende Geschichte von Herrn Siefener. (Mag es von tieferer Bedeutung sein, daß die Protagonisten dieser beiden Erzählungen sich mit Pizza und Chianti verköstigen, ehe das Unheimliche nach ihnen greift? Vielleicht entwickelt sich der Ristorantebesuch zum modernen Äquivalent des opiumkonsumierenden Schriftstellers früherer Jahrhunderte (...).
In der Schilderung des Schicksals des DORFTYRANNEN durch LeFanu zeigt sich die ganze Routine des Erzählers.
Zwar ist die Geschichte nicht ein Klassiker des Genres, aber es ist schön zu sehen, wie unaufdringlich die Kernelemente der Erzählung ineinandergreifen: Die beiden Begegnungen von Bully Larkin und Ned Moran finden auf der Kuppe statt. Das erste Mal wird der linke Arm des bemitleidenswerten Moran »so verletzt, daß er ihn nicht mehr gebrauchen konnte«. Er erholt sich nach dem Kampf nicht mehr und stirbt »binnen eines Jahres ... an Auszehrung«. Nach der (vermeintlichen) zweiten Begegnung hat Bully Larkin eine gelähmte rechte Seite und trägt so schweren seelischen Schaden von sich, daß er im Elend vegetiert und stirbt. Das Spiegelbildliche der beiden Charaktere wird durch die ganze Geschichte beibehalten: Ihr gegensätzliches Aussehen, ihr verschiedenes Alter, nachfolgend die Lähmung einer Körperseite, dann der körperliche bzw. seelische Schaden, der zum Tode führt. Schließlich wird auch die Spiegelbildlichkeit des Kampfes suggeriert: Auf den irdischen Kampf bei Chapelizod wird nach Larkins Ansicht die Herausforderung von Moran im Jenseits folgen. Und diese Vorstellung ist durch den geschickten Aufbau der Geschichte einleuchtend, und man fühlt als Leser (neben einer tiefen Befriedigung über diesen Aufbau) auch ein wenig Mitleid mit Larkin. Es ist dieselbe Sorte Mitleid, die man zuvor für Moran beim ersten Kampf empfand (wieder eine gedoppelte Situation, diesesmal sogar außerhalb des Erzählrahmens!). Denn beide werden in der jeweiligen Situation das Opfer eines übermächtigen Gegners - was natürlich die nächste - und letzte - Spiegelbildlichkeit der Geschichte ist. - - - Ich mag es, wenn das Phantastische aus solch logisch begründeten Situationen entspringt, wenn der Leser durch seinen eigenen Verstand dazu gezwungen wird, an eine phantastische Auflösung zu glauben.
Vielleicht graben Sie einmal einen verschollenen Autor aus, denn neben den bewährten Autoren bin ich stets auf der Suche nach solchen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind und deren Wiederentdeckung (oder Erstentdeckung) sich lohnt.

Klaus Neff, Bretten

Qualität könnte besser sein

Daedalos 5 ist sehr schön gedruckt. Die Qualität der Kopien der Illustrationen könnte aber besser sein. Auch wünschte ich mir hier die Namen der Illustratoren (Goya habe ich erkannt).
Auch zu den einzelnen Autoren würde ich gern mehr lesen. Leider fehlte (warum wohl) in Nummer 5 der stets amüsante und instruktive Leserbriefteil. Ich finde, die einzelnen Beiträge sollten durchaus unkommentiert auf den Leser einwirken. Da hat doch jeder Leser seine Vorlieben. Ich selber schätze die Erzählungen von »Eddie« Monika Angerhuber sehr, bei Malte S. Sembten stören mich manchmal seine Verknüpfungen von Eros und Thanatos auf z.T. sadomasochistische Weise (wobei ich ihn für handwerklich sehr begabt halte).
Dr. Michael Siefener ist sicherlich nicht nur als Herausgeber »heraus«ragend sondern auch als Autor, der mehr Aufmerksamkeit verdient.

Ulrich Spiegel, Overath

Auf Leserbriefe verzichten

daedalos # 5 habe ich von Eddie Angerhuber erhalten und schon mit viel Genuß gelesen. Vor allem VALLIS ILLA wußte mich zu begeistern, gefolgt von den ENTHÜLLUNGEN DES RAUPENWOLFS, beides auffallend lange Erzählungen. LeFanu, als einer der »großen Alten« konnte natürlich auch überzeugen, ebenso Bertram Kuzzath, dessen ALPTRAUMHAFT mir schon bekannt war. DIE STRASSE INS NICHTS und BESTANDSAUFNAHME gefielen mir nicht so, aber Geschmäcker sind eben verschieden. Was mir gefehlt hat, waren die »Anmerkungen« zum Klassiker. Nun ist LeFanu ja kein ganz Unbekannter, aber was spezifisch zur Geschichte wär schön gewesen. Immer etwas aufwendig, aber für den Leser doch sehr angenehm. Auf Leserbriefe würde ich doch verzichten. Ich freu mich auf die # 6 im Herbst. Und natürlich alle weiteren.

Boris Koch, Langerringen

Gelungener Neueinstieg

Es scheint, daß die Pause nicht nur Ihrer Gesundheit, sondern auch dem Heft gutgetan hat. Die Aufmachung gefällt mir wesentlich besser als zuvor, sie ist klarer gegliedert, übersichtlicher, sauberer und leichter zu lesen.

Zum einzelnen: Eddie M. Angerhubers »Enthüllungen des Raupenwolfes« ist eine schon fast klassisch geschriebene unheimliche Geschichte, die nicht nur von ihrem ausgezeichneten Stil und der dichten Atmosphäre einer unheimlichen Bedrohung lebt, sondern auch von ihrer originellen Handlung und Auflösung, die den Leser mit offenen Fragen gefangenhält. Eine sehr schöne, routiniert erzählte Geschichte mit Substanz, die über bloße Stimmung und Spannung hinausgeht. Man wundert sich, von der Autorin nicht schon längst mehr und in viel größerem Rahmen gelesen zu haben.
»Bestandsaufnahme« von Klaus Neff ist eine Geschichte ganz anderen Zuschnitts. Sie lebt weniger von ihrer stilistischen Qualität und atmosphärischen Dichte, wie es bei Angerhuber der Fall ist, sondern vielmehr durch ihren logisch zwingenden Aufbau und ihre psychologische Folgerichtigkeit in der Beschreibung eines Psychopathen. Sicherlich kein Höhepunkt des Hefts, aber durchaus gelungene Unterhaltung.
Michael Siefeners »Vallis illa« ist über jeden Rezensionsversuch erhaben. Eine Geschichte, die sich von ihrer Qualität her eigentlich im internationalen Konzert behaupten müßte. Es ist unverständlich, daß ein so begabter Autor nicht längst professionell präsent ist. Da sind die großen Verlage gefordert! So bleibt ein Trost, daß er nämlich als größter Gewinn uns dädalos-Lesern auch weiterhin erhalten bleibt.
Mit der »Straße ins Nichts« plädiert Jörg Weigand in gewohnt routinierter, aber auch gewohnt moralapostelhafter Art und Weise für ein gesittetes Verhalten im Straßenverkehr. Dem möchte man inhaltlich einfach nur zustimmen, denn wer wollte was dagegen sagen. Sowas ist auch immer ganz nett zu lesen, dürfte aber wohl kaum einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Bertram Kuzzaths »Alptraumhaft« ist nicht so schlimm, wie man es aufgrund seiner früheren Beiträge hätte befürchten müssen. Er schafft tatsächlich andeutungsweise so etwas wie eine »bedrohliche« Stimmung, auch wenn er das nicht ganz durchzuhalten in der Lage ist.
»Der Dorftyrann« von LeFanu ist neben Siefener und Angerhuber das dritte Argument für DAEDALOS. Hier legt uns die Redaktion nicht nur eine Geschichte vor, die bisher wohl kaum jemand kannte, sondern gleichzeitig ein Meisterstück, was umso mehr erstaunt, als üblicherweise die bislang unveröffentlichten Texte der Großmeister auch besser vom Mantel des Vergessens bedeckt geblieben wären.
Alles in allem ein gelungener Neueinstieg, zu dem man die Herausgeber nur beglückwünschen kann.

Heiner Schütte, Twistringen

Finanzamtbriefblau und aktenordnertrocken

Vielen Dank für das sehnlichst erwartete DAEDALOS Nr. 5! THE BIBLE IS BACK! Totgesagte leben also wirklich länger!
Was DAS SCHWARZE GEHEIMNIS fürs Sekundäre, das war, ist und bleibt DAEDALOS für die phantastische Literatur. Die Auswahl der Nr. 5 ist gut getroffen, und natürlich sind es die beiden längeren Stories von Eddie M. Angerhuber und Michael Siefener, die am meisten begeistern.
Vor allen Dingen E.M. Angerhuber versteht es, mit ihrem manieristischen Stil mich zu fesseln. Ihre atmosphärischen Anlehnungen allein in DIE ENTHÜLLUNGEN DES RAUPENWOLFS - von den späten Dichtern der Décadence über M.R. James bis zu Ligotti - sind bemerkenswert gelungen, wenngleich logische Brüche leicht irritieren (Wer mietet eine Wohnung, ohne sie zuvor besichtigt zu haben? Wieso wohnte Maria Ast ausgerechnet in jener Wohnung? etc.). Dennoch vermag die letztliche Lösung zu überzeugen.
Das Layout des Heftes - noch dazu zwischen finanzamtbriefblauem Umschlag - ist so seriös wie aktenordnertrocken, daß man fast einen Staubhusten bekommt, aber trotzdem irgendwie passend. Voller Vorfreude erwarte ich die weiteren Ausgaben!

Uwe Vöhl, Bad Salzuflen

Gleich drei Geniestreiche

Eigentlich kann einem Klaus Neff schon ein wenig leid tun. Da bringt ihr ihn mit einer kleinen, aber vorzüglichen Geschichte, die in jedem Fanzine das Zeug hätte, eine der besseren zu sein, und ihr schickt sie ins Rennen gegen eine geradezu übermächtige Konkurrenz, gegen die sie gar keine Chance mehr hat. Sheridan LeFanus »Dorftyrann« (Sorry, aber wie lautet eigentlich der Originaltitel?) vereinigt alle klassischen Tugenden des Erzählens: glaubwürdige Charaktere, spannende, flotte Handlung, gut durchdachter Aufbau, atmosphärische Dichte, tief empfundene humane Grundhaltung und sogar ein Stück moralischer Erbauung, ohne dabei aufdringlich und zeigefingerhaft zu sein.
Die meisten dieser Tugenden findet man auch bei Eddie Angerhubers »Raupenwolf« wieder; hinzu kommt die wesentlich modernere »Aufbereitung«, die uns heutigen Lesern eher entspricht und die Geschichte einfacher lesbar macht, auch wenn die Autorin den Stil der letzen Jahrhundertwende imitiert, was ihr ausgezeichnet gelingt und diese Erzählung in Zeiten großer Nüchternheit und Schnörkellosigkeit auf eine besonders angenehme Weise hervorhebt.
Und dann der Herausgeber Michael Siefener selbst, der mit »Vallis illa« eine der besten unheimlichen Geschichten vorlegt, die ich je gelesen habe. Man merkt, wie gut sich der Autor mit christlicher Theologie auskennt, und er liefert eine unheimlich zynische, aber in ihrer Konsequenz nahezu zwingende und entlarvende Lesart katholischer Lehre, wenn sein Protagonist allein deshalb der ewigen Verdammnis anheimfällt, weil niemand für ihn betet. Das Ganze stilistisch überragend, wie man es selten findet. Mit einem Wort: Großartig! Es ist erstaunlich, daß es DAEDALOS gelingt, sich gleich mit drei Geniestreichen zurückzumelden.

H. Schmitz, Köln

Alle Tugenden und Untugenden

Hallo ihr Zwei! Nett, mal wieder von euch zu hören. Und dann meldet ihr euch gleich mit der Wiederauferstehung des Dädalus zurück. Wer hätte das gedacht! Alle Tugenden und Untugenden sind auch dabei, man fühlt sich gleich wieder wie zu Hause, ist wie immer begeistert vom Herausgeber daselbst, freut sich über die unterhaltsame halbe Stunde beim Schmökern der Geschichte einer für Dädalus ganz neuen Autorin und ärgert sich wie gehabt über die Schreibbemühungen eines Herrn Kuzzath, der bei euch wohl wirklich einen Stein im Brett haben muß. Ich kann euch nur alles Gute wünschen und hoffe auf noch viele angenehme Stunden mit Dädalus.

Jürgen Gericke, Braunschweig

Im Internet entdeckt

Im Internet habe ich entdeckt, daß es mit dem Magazin »Daedalos« glücklicherweise weitergeht (jahrelang hielt sich die Meldung, es wäre aus gesundheitlichen Gründen eingestellt worden). Deshalb bitte ich, mir die aktuelle Ausgabe 5 zuzusenden.

Johnny Wallmann, Gronau

Anmerkung der Redaktion:
Es freut uns außerordentlich, daß sich die Wiederauferstehung des DAEDALOS sogar bis ins Internet herumgesprochen hat. Wie man sieht, lohnt ein Blick auch dorthinein, wenngleich gerade bei Fans des Unheimlichen die Hemmschwelle zu neuen technischen Entwicklungen besonders hoch zu sein scheint.