DAEDALOS Nr. 6 34

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Leserbriefe

Ausgewählte Story

Rezensionen

Hochverehrtes Publikum!

Wir sind stolz, Euch hiermit die Nummer 6 unseres phantastischen Story Readers vorzulegen. Trotz großer, vor allem gesundheitlicher Probleme sind wir zuversichtlich, auch in Zukunft unsere Arbeit fortsetzen zu können, fand doch die »Wiedergeburtsausgabe« Nr. 5 auf Anhieb großes Interesse und Zustimmung. In bewährter Art wollen wir mit der Auswahl der Geschichten und ihrer Darstellung im Heft weitermachen, nehmen aber auch gern Anregungen auf, die uns in den letzten Wochen erreicht haben. So werden wir ab sofort, wenn immer es möglich ist, die Quellenangaben für die Abbildungen in einem »Bildnachweis« mitliefern. Nähere Informationen zu unseren Autoren halten wir aber nur dann für sinnvoll, wenn es zum literarischen Teil ihres Lebens etwas Neues und besonders Interessantes zu berichten gibt. Ansonsten würden wir uns Heft für Heft in Wiederholungen verzetteln, was auch von der Mehrzahl unserer Leser nicht gewünscht wird. Aber selbstverständlich sind wir für jede Kritik dankbar, denn nur so können wir das Heft im Sinne unserer Leser stets weiter verbessern.

Beim Stöbern in einem Bibliotheksnachlaß stießen wir auf etwas außerordentlich Überraschendes. Eduard Mörike, diese Inkarnation an literarischem Biedersinn und wohltemperierter Vernunft, war offenbar nicht davor gefeit, im wahrsten Sinne des Wortes Gespenster zu sehen. Natürlich wollen wir Euch ein solches Erlebnis nicht vorenthalten. Laßt Euch also von der »Hand der Jezerte« märchenhaft berühren und verzaubern, wie es auch mit uns geschah.

Der inzwischen für seine Erzählung »Blind Date« mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis und weiteren Ehrungen dekorierte Malte S. Sembten nimmt uns heute mit auf eine kirchengeschichtliche Exkursion zum geheimnisvollen »Kirchenstumpf von Udenhausen«, was unheimliche und vor allem unappetitliche Folgen für den Exkursionsleiter zur Folge hat. Eine äußerst hintergründige und um so sarkastischere Ironie! Aus der Feder des rührigen Autors ist vor einiger Zeit unter dem Titel »Hippokratische Gesichter« bei der Edition Metzengerstein ein Sammelband mit hervorragenden Geschichten erschienen; außerdem im Verlag Robert Richter die Storysammlung »Variationen in Nachtgrau und Fleischrot«; und da aller guten Dinge drei sind, gab er kürzlich in der Edition Maldoror zusammen mit Michael Marrak die vielbeachtete Anthologie »Der agnostische Saal« heraus, die sicherlich zum Besten zählt, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren an Anthologien erschienen ist. Sollten wir was vergessen haben? Malte wird es uns bestimmt verzeihen, denn es fällt schwer, bei seinem Fleiß stets aktuell mitzuhalten.

Marcel Feige, der bisher in erster Linie durch seine engagierte journalistische Begleitung der Phantastik-Szene von sich Reden machte, tritt hier in der Rolle des Beobachters eines delikat-makabren Geschehens auf. Er begleitet »Die Prinzessin« während einer nächtlichen Eisenbahnfahrt auf ihrem Weg nach Hause und dokumentiert dies für uns mit journalistischer Akribie. Hinweisen möchten wir auf den von ihm erstellten Newsletter »LiteraTour«, der regelmäßig Wissenswertes aus und über die »Szene« bringt. Eigentlich Pflichtlektüre für jeden Phantastik-Enthusiasten, der wissen möchte, was sich wo tut. Marcel Feige wohnt in Troisdorf vor den Toren Bonns.

Ganz besonders freuen wir uns über das Wiedersehen mit Monika Niehaus-Osterloh. Die studierte und promovierte Biologin gewann in diesem Frühjahr den von Bastei-Lübbe ausgeschriebenen Thrillerwettbewerb mit ihrem (nicht phantastischen) Kriminalroman »Das Spiel des Affen«, der inzwischen als Taschenbuch vorliegt. Und wer einen Blick über den Tellerrand werfen möchte, dem sei diese intelligente, spannende und auch witzige Lektüre wärmstens empfohlen. Monika Niehaus-Osterloh lebt mit ihrer Familie in Düsseldorf und übersetzt beruflich vor allem medizinische und biologische Fachbücher ins Deutsche. Literarisch fühlt sie sich am engsten der Science Fiction verbunden, einem Genre, dem sie immer neue Aspekte abgewinnen kann, wie man auch an ihrem »Mit dem Siegel des großen Jura-Computers« ersieht. Es handelt sich dabei um eine der berühmt-berüchtigten galaktischen »Kneipengeschichten«, in der sich alles, was da fleucht und kreucht, Geschichten grandioser Absurditäten zu erzählen weiß ... Aber macht Euch selbst auf den Weg, schaut in Donnas Kaschemme vorbei und hört bei einer »Pink Lady« oder einer doppelten Flußsäure einfach nur zu!

Wir schließen mit Eddie M. Angerhuber, die auch diesmal wieder vertreten ist und uns mit ihrem bezaubernd exotischen Märchen »Die Drachentochter« ins alte Reich der Mitte entführt. Einfühlsam und in einer wunderbar nostalgischen Sprache erzählt die Berliner Autorin von den Abgründen einer vereinsamten und in ihrem Stolz gekränkten Seele, die, wie das bei solchen Dingen meist der Fall ist, nur durch die Liebe errettet werden kann. Erinnern möchten wir noch einmal an Eddies Geschichtenband »Die verborgene Kammer«, der in der »Edition Metzengerstein« erschienen ist, aber auch »Sommergewitter« als »Medusenblut« Nr. 2 bei Boris Koch sollte nicht unerwähnt bleiben.

Und nun wünschen wir Euch einige vergnügliche Stunden mit DAEDALOS Nr. 6,
Eure Redaktion

Dr. Michael Siefener und Hubert Katzmarz
Haan und Bonn im Oktober 1998